Die Ursprünge der Skinheadbewegung in den sechziger Jahren

Die jugendkulturellen Wurzeln der Skinheads gehen auf die Arbeiterviertel der britischen Großstädte der 60er-Jahre zurück. Das nach dem 2. Weltkrieg auch in Großbritannien erfolgte Wirtschaftswunder war in den Großstädten mit Sanierungsphasen verbunden, die die Strukturen der alten Arbeiterviertel zerschlugen. Die traditionelle Einheit von Wohnen, Arbeiten und Freizeitgestaltung konnte nicht länger aufrecht erhalten werden. In die heruntergekommenen Billigwohnungen zogen Einwanderer aus den ehemaligen Kolonien ein, was eine grundlegende Änderung der Infrastruktur zur Folge hatte.

Die Arbeiterklasse fühlte sich dieser Situation gegenüber ohnmächtig und empfand die Fremden nur als unerwünschte Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt.

Die Jugendlichen dieser "Working Class" identifizierten sich mit ihrer Herkunft, betonten z.B. gegenüber den Mittelschichtjugendlichen bewusst männliche Härte, die sie nicht nur durch ihr Outfit, sondern auch durch ihre Körpersprache und ihr rüdes Verhalten auf den Straßen und in den Kneipen zum Ausdruck brachten. Das Übertreten von Gesetzen und bürgerlichen Verhaltensregeln stellte eine normale Bewältigung des Alltags dar, der oft genug langweilig war und durch entsprechende Provokationen aufgewertet wurde. 14 - 17 jährige Jungen versammelten sich auf den Straßen und versuchten durch ungeplante, wenig zielgerichtete Randale der Langeweile zu entfliehen.
Als leidenschaftliche Fußballfans stellten die Skins der ersten Generation bereits den Kern der gewaltbereiten Szene in den Stadien dar. Neben der Lust auf körperliche Konfrontation und Angstüberwindung standen z.B. bei Straßenschlachten, in denen vorwiegend vermeintlich Schwule, Pakistaner und Afrikaner verprügelt wurden, Überlegungen im Vordergrund, ihre Straßen von Fremden und Andersartigen "rein" zu halten. Mit Tätowierungen, kurz geschorenen Haaren, Doc Martens Stiefeln (anerkannte Arbeitskleidung, billig zu erstehen) und über Hemden oder T-Shirts getragenen Hosenträgern, später auch Bomberjacken, signalisierten sie ein proletarisches Außenseitertum, das sich bewusst von den smart gekleideten Mittelstandsjugendlichen abhob.

Klaus Farin interpretiert dieses "Skinhead-Way-of-life"-Verhalten als den verzweifelten Versuch, die guten und einfachen alten Zeiten wieder zurückzuholen. Ihr Protest sei nicht zukunftsorientiert, sondern auf das Bewahren der alten und vertrauten Sicherheiten und Werte bedacht (Farin 1997,23).
Working Class bedeutete demnach die Glorifizierung körperlicher Arbeit und die Pflege traditioneller Männlichkeitsrituale, eingeschlossen die Vorstellung von der untergeordneten Rolle der Frau (Farin 1997, 24).