04.10.2000

Heinz-Jürgen Bräuer

Fächerübergreifender Unterricht in der Grundschule
- Anmerkungen, Anfragen, Vorschläge aus musikdidaktischer Sicht

Einleitung:

· Sachkunde: Kreislauf des Wassers
· Mathematik: Flüssigkeitsmengen
· Deutsch: Erzählung "Eine Kanufahrt auf der Donau"
· Religion: Taufe Jesu im Jordan
· Kunst: Malen eines Bildes mit Wasserfarben
· Musik: "Die Moldau" von Friedrich Smetana

Zugegeben, ein konstruiertes, in der Praxis aber so oder ähnlich anzutreffendes "Programm" eines fächerübergreifenden Unterrichts zum Thema "Wasser". Aber mit der Ansicht, hier handele es sich um ein Thema, fangen schon die Probleme an! "Wasser" ist kein Thema, sondern ein isolierter Begriff, der nur über sein (zufälliges) Vorkommen in anderen Fächern künstlich Verbindungen zwischen Inhalten verschiedener Fächer herstellen soll. Nur aufgrund einer mangelhaften Themen- bzw. Problemstellung ohne klare Erkenntnisrichtung können die verschiedenen Fächer überhaupt nach ihren Beiträgen angefragt werden. Wir haben es mit einer tendenziell grenzenlosen Zusammenstellung von Gegenständen zu tun, deren ‚Bezüge' bzw. gemeinsame Strukturen nicht aufgewiesen werden. Und das könnte nur gelingen, wenn wir sie definieren. "Jede Definition (aber) bedeutet Eingrenzung und Ausgrenzung" (1). Zusammenhänge sind ohne Grenzziehungen nicht zu haben. Die Grenze ist der fruchtbare Ort sinnstiftender Erkenntnis. Ist Musik nicht aber das ganz Andere, mit Gegenständen und Vorgängen in der Natur (Teich, Kreislauf des Wasser ....) nicht vergleichbar? Lässt sie sich in (wissenschaftliche) Zusammenhänge einbinden, kann sie Anteil haben an den Bemühungen, Zusammenhänge herzustellen, Bedeutungen anzubieten, Sinn zu vermitteln? Der Artikel versucht, sich der angedeuteten Problematik immer wieder aus anderer Perspektive zu nähern; konkrete unterrichtspraktische Anregungen werden dabei nicht vorenthalten.