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Vorüberlegungen
und praktische Versuche zu
einer Musikunterlegung
Am Anfang stehen einfache Versuche: Die Bilderfolge wird mit unterschiedlicher
Musik unterlegt. Es wird deutlich, daß die Musik die Wahrnehmung
lenkt und beeinflußt:
- romantische Musik betont die "gemütlichen" bzw. "gefühligen"
Aspekte (Opa, Liebespaar)
-
fetzige Musik betont die "action" (Flucht, Verfolgung)
- usw.
Man spricht bei einer solch generalisierenden Musikunterlegung
von Moodtechnik (von engl. mood = Stimmung). Ein Gefühlsrahmen,
eine Atmosphäre wird vorgegeben. Bei einem kurzen Werbespot (Jingle),
der den "spot" (das ist ursprünglich der Punktscheinwerfer auf
der Bühne) auf einen bestimmten Aspekt richtet, also die Wahrnehmung
fokussiert, ist dieses Verfahren angebracht, aber zur Aspektvielfalt
des vorliegenden Spots paßt es nicht. Die Musik müßte die Gegensätze
(Gemütlichkeit - Abenteuer) auch ihrerseits unterstützen.
Dazu eignet sich besser das andere grundlegende Verfahren der
Filmmusik, das underscoring oder mickeymousing (so benannt nach
den Verfahren der Mickeymouse-Filme). Hier werden synchron zur
Bildebene musikalisch-analoge (oft tonmalerische) Entsprechungen
gesucht, z. B:
- Jemand läuft die Treppe hinauf = Tonleiter aufwärts (eventuell
genau synchron mit den einzelnen Schritten)
- Jemand stürzt vom 10-Meter-Brett ins Wasser = Gissando abwärts
+ Aufklatschgeräusch
Versuche,
solche musikalische Pendants zu einzelnen Handlungelementen des
vorliegenden Werbespots zu finden, sei es durch Zusammenschneiden
unterschiedlicher Musikkonserven, sei es durch eigene Realisierung
auf Instrumenten und/oder mit Geräuschen/Stimmen, führt zu anderen
Problemen: Die Schnitte wechseln so kurzfristig, daß eine parallel
angepaßte Musik ihre Konsistenz verlieren würde. Es entsteht ein
- auch technisch kaum zu bewältigendes - Durcheinander ohne Zusammenhang.
Außerdem wirkt das dauernde "Verdoppeln" der Bildebene durch die
Musik auf die Dauer lächerlich.
Zum Wesen der Musik gehört das Prinzip der (wörtlichen oder veränderten)
Wiederholung. Nur so gewinnt sie Kontur und Zusammenhang. Als
Lösung für das vorliegende Problem bietet es sich deshalb an,
beide Verfahren (Moodtechnik und underscoring) zu kombinieren..
Eine einfache Möglichkeiten wäre z.B:
Bestimmte
musikalische Parameter bleiben konstant, während andere sich
jeweils der besonderen Situation anpassen - bei selbstgemachter
Musik z.B. könnten über einen durchlaufenden Grundrhythmus und
ein gleichbleibendes Akkordschema wechselnde, die einzelnen
Schnitte charakterisierende musikalische Ereignisse gelegt werden,
wobei aber vorher entschieden werden müßte, ob der Grundrhythmus
eher behäbig oder fetzig sein soll.
Doch
auch diese Möglichkeit ergibt keine wirklich zusammenhängende
Lösung. Es bleibt der Eindruck des "Geschnittenen", und der widerspricht
dem "Story"-Charakter des Spots und musikalischen.Erfordernissen.
Dem Wesen der Musik entspricht eher eine andere Lösung:
Die
Musik bleibt insgesamt gleich bzw. ähnlich, entwickelt sich
aber partiell so, daß - je nach Aussageabsicht - Parallelen
oder Kontrapunkte zur Bildebene entstehen. Das setzt voraus,
daß nicht - hin- und her springend - jede Einzelheit "abgebildet"
oder kommentiert wird, sondern übergreifende Einheiten gebildet
werden und nur an wichtigen "Synchronpunkten" ein direkter Bezug
erfolgt.
Nach solchen eigenen Versuchen und Vorüberlegungen, kann man gespannt
sein auf die professionelle Lösung.

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