Analyse der Musik des TV-Spots

Arbeitsgrundlagen:

Klangaufzeichnung


Werbespot der deutschen Bundesbahn (1992): "Entdeckungsreise 45"




 

Bevor man die Gesamttranskription der Musik (Arbeitsblatt 1) bearbeitet, ist es sinnvoll, mit einzelnen Teilen ('Schnipseln') - in veränderter Reihenfolge - zu beginnen (etwa T. 7-14, dann T. 1-6). Die Frage lautet: Was ist das für eine Musik?
Zu welchem Element der "Geschichte" (Bildebene) paßt sie? Warum?
Schließlich wendet man sich dem vollständigen Arbeitsblatt zu. Bei Mitleseübungen werden Daten ergänzt, vor allem die zu dem Klavier hinzutretenden Instrumente. In der folgenden strukturellen und formalen Analyse werden auch Vermutungen über Beziehungen zur Bildebene angestellt.
Ein idealtypisches Ergebnis (im Unterricht in dieser Detailliertheit natürlich nicht erreichbar) könnte so aussehen:

Musikalische Gliederung:

T. 1-6:

Die Bewegung ist ruhig. Die Harmonik pendelt zwischen Tonika und Subdominante (Es-As-Es-As-Es-Es). Eine richtunggebende Dominante fehlt. Der Baß verharrt auf dem Bordunton 'es'. Die Melodie sinkt nach kurzem Quart-Aufschwung skalisch bis unter das Ausgangsniveau. Nach dem zweiten Ansatz (Sext-Aufschwung) gerät sie beim Abstieg ins Trudeln und verschwindet dann mit einem zweimaligen Oktav-Absturz in der 'Versenkung'. Die einzigen bewegten Figuren (16tel) gleiten auf unbetonter Taktzeit kraftlos abwärts. Die Wiederholung der Schlußfigur signalisiert Stagnation. Der Gesamtgestus der Musik paßt zum Vorstellungfeld "Opa", "Bequemlichkeit".

 

T. 7-14:

Der harmonische Schnitt zwischen T. 6/7 zeigt Neues an: Die Musik wird rhythmisch prägnanter und bewegter: ein tänzerischer, energisch-synkopischer Rhythmus (die abtaktige Variante der vorher auftaktigen 16tel-Figur) bestimmt das Geschehen; ein walzerähnlicher Gitarrenbaß verleiht dem Ganzen "drive"; die Harmonik kommt in 'Bewegung' (G-c-G-c-B-Es-D-G); die Aufwärtssequenzierungen künden von Aufbruch, Aktivität. Der Gesamtgestus der Musik paßt zum Vorstellungfeld "Enkel", "Abenteuer", "Ausreißen".

 

T. 15-21:

Die Musik ist mit der des vorherigen Abschnitts verwandt (Gitarrebaß, Aufwärtssequenzierung, 16tel-Motiv am Schluß; T. 16 ist eine Variante von T. 8). Neu sind der punktierte Rhythmus und das Vorherrschen der Abwärtsbewegung im Mikrobereich. Der Schluß mit der 'abstürzenden' 16tel-Figur korrespondiert mit dem Schluß des 1. Abschnitts (T. 5-6). Es gibt noch eine weitere Beziehung zum Anfang: Die skalische Abwärtsbewegung entspricht dem der Takte 1-3 (jeweils 6 Töne). Auffallend als Gelenkstellen sind T. 14 und T. 20-21: In T. 14 setzen die neu hinzutretenden Instrumente (Triangel, Streicher) einen neuen Akzent, in T. 20-21 deuten die große Entfernung von der Grundtonart (A7, D7) und die chromatische Verengung der 16tel-Figur einen krisenhaften Wendepunkt an.

 

T. 22-25:

Die Musik ist eine geraffte Variante des 2. Abschnitts. Die 16tel-Figuren folgen nun in engerem Abstand aufeinander. Atemlos stürzen sie vom höchsten Ton des Stückes bis in die tiefe Baßregion ab. Hier ist sehr wahrscheinlich die "Rück-Flucht" des Kindes dargestellt. Dazu paßt auch, daß die harmonische Bewegung (zum ersten Mal wieder) in die Grundtonart Es-Dur zurückführt.

 

T. 26-29:

Die Musik kombiniert Elemente der verschiedenen Teile: Der Gitarrenbaß durchzieht mit Ausnahme des "Intros" alle Phasen. Der punktierte Rhythmus und die Akkordverbindung G-c stammen aus den "aktiven" Mittel-Phasen, das As-Dur, das hier zum ersten Mal in dem Stück durch die folgende Akkordverbindung B-Es zur Grundkadenz komplettiert wird, und der ruhige Ausklang mit fallenden Motivlinien verweisen auf den Anfangsteil. Zweifellos spiegelt sich in der Musik Opas Erleichterung bei der Ankunft.