Das Grundkonzept der Musik:

Der Komponist wählt als Modell für seine Musik den Mazurka-Gestus, wie ein Vergleich mit Ausschnitten aus Chopin-Mazurken verdeutlicht:

Frédéric Chopin: Mazurka op. 24, Nr. 1, T. 33ff.

Diesem Beispiel entspricht der Schlußteil des Werbespots, allerdings in einer Verschiebung der Semantik vom "con anima" zum Gemütvollen.

Frédéric Chopin: Mazurka op. 30, Nr. 2, T. 17ff.

Mit diesem Beispiel korrespondieren die drängend sequenzierenden Mittelphasen.

In der Literatur über Musik in der Werbung wird immer wieder als besonderes Kennzeichen die Verwendung von Klischees hervorgehoben. Nur so wird die Musik konkret aussagefähig. Das Klischee ist nämlich semantisch besetzt und löst automatisch bestimmte Assoziationen und Gefühlsanmutungen aus. In unserem Beispiel wird mit der Wahl des Genres "Romantisches Klavierstück" der Hauptakzent auf den Aspekt des Menschlich-Behaglichen gelegt.

Assoziationen an den bürgerlichen 'Salon', an Hausmusik u. ä. stellen sich ein. Das Rubatospiel verstärkt das altmodisch-romantische Flair. Beabsichtigte Suggestion: Das "gute Alte" geht mit der Hochtechnologie zwanglos Hand in Hand. Um einer allzu starken Verengung in dieser Richtung vorzubeugen, benutzt der Komponist die spezifische Form der Mazurka, denn die hat neben lyrisch-behaglichen gerade auch zupackend-dramatische und rhythmisch elektrisierende Züge. So wird auch das andere Vorstellungfeld des Spots ("Abenteuer") abgedeckt. Das Changieren der Musik eröffnet dem Komponisten des Spots die Möglichkeit, durch charakteristische Veränderung und Akzentuierung eine Anpassung an unterschiedliche Handlungs- und Vorstellungsmomente des Spots zu erreichen. Eine Reihe von solchen underscoring-Momenten wurde bei der Beschreibung der Musik schon deutlich.

Die Klischee-Analyse muß also ergänzt werden durch eine genaue Detailanalyse, denn die spezifische Aussage entsteht durch Nuancierung des Klischees. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Musik in der Werbung nicht grundsätzlich von der 'Kunstmusik', die ja auch mit Klischees (Stilen, Gattungen usw.) arbeitet und ihren ästhetischen Reiz und ihre spezifische Ausdrucksqualität aus der innovativen Modifizierung (Individualisierung) von Mustern bezieht.

Das ästhetische Problem des Zusammenhangs löst der Komponist - wie der Komponist klassisch-romantischer Musik - durch die bei allen Veränderungen gegebene Materialidentität. Durch das ganze Stück zieht sich die mazurkatypische Rhythmisierung mit unterteilter 1. Taktzeit (2 Achtel, punktierte Achtel u. ä.) und gedehnter 2. Takzeit. Vereinheitlichend wirkt auch der fast durchgehende Gitarrenbaß.