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Grundzüge des Musikunterrichts
In der Regel wird der Musikunterricht an Waldorfschulen von der ersten bis zur 12. Klasse.3 in wöchentlich 2 Schulstunden erteilt. In den letzten Jahren sind immer mehr Waldorfschulen dazu übergegangen, die normalerweise relativ großen Klassen von ca. 35 bis z.T. 40 Schülern in vielen Fächern – so auch in der Musik – zu halbieren, so dass in den meisten Schulen zumindest in der Mittel- und Oberstufe (d.h. ab der 5. Klasse4) die Lerngruppen nicht mehr als etwa 18 bis 20 Schüler umfassen. Neben dem normalen Musikunterricht wird häufig etwa zu Beginn der Mittelstufe noch ein so genanntes Klassenorchester eingerichtet, in dem alle Schüler entweder auf ihren im Privatmusikunterricht erlernten Instrumenten spielen oder auf denjenigen, die in den vorhergehenden Jahren im Klassenverband erlernt wurden.5 Solche Klassenorchester können selbstverständlich auch innerhalb des zweistündigen Musikunterrichts durchgeführt werden, wenn es nicht möglich ist, eine entsprechende Zusatzstunde einzurichten. Meist werden die Klassenorchester bis etwa zur 8. Klasse geführt. Da das Repertoire der im Klassenorchester spielbaren Literatur durch das breite Spektrum mehr oder weniger großer Fähigkeiten zwangsläufig begrenzt ist, bieten viele Schulen bereits ab der 5. Klasse die Teilnahme an Mittelstufenorchestern an. Hier finden sich diejenigen Schüler zusammen, die ein im klassischen Sinne orchesterfähiges Instrument spielen. Im Übergang zur Oberstufe werden dann die Mitglieder des Mittelstufenorchesters in die an den meisten Schulen vorhandenen Oberstufenorchester eintreten. Ein Musizieren im Klassenverband findet in der Oberstufe nur relativ selten statt, – meist im Zusammenhang mit besonderen Projekten der jeweiligen Klassen. Neben den bisher genannten Instrumentalkreisen gibt es natürlich an vielen Schulen etliche kleinere Ensemblegruppen und regelmäßige Chorarbeit: Auch in diesem Bereich wird häufig zwischen Mittel- und Oberstufenchor differenziert.
Viele Waldorfschulen werden in ihrem Umkreis vor allem durch größere Projekte wahrgenommen. Neben Theateraufführungen stehen hier natürlich auch wieder musikalische Darbietungen im Vordergrund: Von Chor- und Orchesterkonzerten bis hin Opern- und Musical-Aufführungen gehören solche Projekte als wesentliche Elemente zum Schulprofil etlicher Waldorfschulen.
Hauptunterricht
Eine Besonderheit des Unterrichts an Waldorfschulen ist der so genannte "Hauptunterricht": Dieser Unterricht wird von der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer in den ersten zwei Unterrichtsstunden jedes Schultages der ersten bis achten Klasse erteilt. Eine der methodischen Anregungen Steiners ist es, die Schüler schon am Morgen durch künstlerisches Tun für den Tag ´aufzuschließen´. So wird an keiner Waldorfschule der Schultag ohne gemeinsame sprachliche oder eben auch musikalische Arbeit beginnen. Dies gilt zumindest für die ersten 8 Schuljahre. Leider verlieren sich Intensität und Kontinuität dieses künstlerisch-pädagogischen Anliegens an manchen Schulen im Laufe der Oberstufe, für die diese Anregung prinzipiell genauso gilt. Es hängt daher oft von der einzelnen Lehrerpersönlichkeit ab, inwieweit auch in den Klassenstufen 9 bis 12 diese tägliche Arbeit, die ja zumindest zum Teil eine ebenfalls musikalische ist, neben den oben beschriebenen Unterrichtsaktivitäten im Rahmen des normalen Musikunterrichtes stattfindet.
Dieser äußere Rahmen für die musikalischen Aktivitäten an Waldorfschulen lässt ahnen, dass das Musikalische als ein wesentliches, über sich selbst hinausweisendes Element im Kanon der pädagogisch wirksamen Mittel verstanden wird. Spätestens seit den Untersuchungen von Hans Günther Bastian6 darf behauptet werden, dass der vielfältige und vor allem tätig-kreative Umgang mit Musikalischem nicht nur die musikalischen Fähigkeiten selber immer mehr auszuprägen und auszudifferenzieren hilft, sondern dass darüber hinaus wesentliche Bereiche des Mensch-Seins, kognitive, affektive und psychomotorische – oder, wie es in der Waldorfpädagogik heißt: Denken, Fühlen und Wollen – und nicht zuletzt die Ebene des sozialen Miteinander-Umgehens berührt und subtil gestaltet werden können. Immerhin zeigt gerade die deutsche Vergangenheit, dass der Einsatz von Musik in der Pädagogik insbesondere vor diesem Hintergrund immer auch eine Frage der Ethik und der Verantwortung ist. Dessen ist man sich sicher auch in den Waldorfschulen bewusst.
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