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Kitty Hamisch
Der Jenaplan - Modell einer humanen Schule
Das pädagogische Konzept Peter Petersens und Musik in Jenaplanschulen
1945, zu Beginn der Schulreform in Deutschland, war Peter Petersen - seiner internationalen wissenschaftlichen Anerkennung sicher - überzeugt, sich mit seinen Ideen und Konzepten an der Neugestaltung des Schullebens beteiligen zu können. Die politische Entwicklung hat diese Hoffnung nicht erfüllt: die Petersen-Schule in Jena wurde 1950 geschlossen. Als Petersen 1952 starb - vereinsamt und verbittert - war jeder Gedanke an eine am Jenaplan orientierte Schulreform vergessen. Erst in den letzten Jahren wurde sein Konzept wieder aufgegriffen.
Reformpädagogik Vieles von dem, was damals in der Reformpädagogik als neue, bessere Methode erkannt wurde, fand man - weil als hilfreich von Petersen eingeschätzt - in seinem Konzept wieder: Lehrgang, Sonderkurse, Gesamtunterricht (Otto), Lernspiele (Decroly), Gruppenunterricht (Dewey, Ferriére), Lernen in Projekten (Kilpatrick), Unterrichtsgespräch, pädagogische Rückschau und Kurssystem (Washborne, Geheeb), Arbeit mit besonderen, didaktischen Materialien (Montessori), Lernen durch praktische Arbeit (Kerschensteiner) etc. Auch beruft er sich neben den Hamburger Lebensgemeinschaftsschulen ausdrücklich auf das Vorbild der Lietzschen Landerziehungsheime. Intellekt, Emotion und Sozialverhalten haben im Konzept Petersens gleichrangigen Stellenwert. Erziehung und Bildung sollten deshalb außer für den Prozeß der Selbstfindung und -verwirklichung vorrangig Hilfen bereitstellen, die zur Entwicklung einer gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit beitragen können. Daß das Schulwesen in dieser Hinsicht eher Versäumnisse und Verfehlungen aufzuweisen hatte, war zu Beginn der Reformpädagogik nicht nur eine Erkenntnis Petersens.
1923 kam Petersen nach Jena, übernahm mit dem Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft auch die Universitätsübungsschule und begann, sie nach seinen Reformideen umzugestalten. Bereits 1925 erschien ein erster Bericht über den Schulversuch, den er zusammen mit seinem damaligen Assistenten Hans Wolff verfaßt hatte: "Eine Grundschule nach den Grundsätzen der Arbeits- und Lebensgemeinschaftsschule". 1927 berichtete Petersen auf dem IV. Kongreß des "Weltbundes für Erneuerung der Erziehung" in Locarno vom Jenaer Schulversuch, worauf dieser allgemein als Jenaplan-Schule bekannt wurde. Die Jahre bis zur Schließung der Schule arbeiteten Petersen und seine Mitarbeiter an der Verbesserung und Verbreitung der pädagogischen Ideen des Jenaplans.
Verbreitung der Peter-Petersen-Schulen 1949 wurden auf Kongreß-Beschluß alle Reformschulen der DDR wegen "gefährlicher kapitalistischer Einflüsse" geschlossen. Daraufhin schloß man 1950 auch die Übungsschule der Jenaer Universität als eine "politisch sehr gefährliche Einrichtung". Auch in Westdeutschland wurden in den 50iger Jahren im Zuge der Bildungsreform sämtliche staatlichen Reformschulen geschlossen, so daß im weiteren nur private Schulversuche existieren konnten. Eine Ausnahme bildete Köln mit weiterhin bestehenden staatlichen Jenaplan-Schulen. Petersens Konzept blieb jedoch auch über die Grenzen Deutschlands hinaus erhalten und fand vor allem in Holland weite Verbreitung (Jenaplan II). Dort gibt es heute über 450 Petersen-Schulen. In der Bundesrepublik entstanden seit 1991 wieder Jenaplanschulen in öffentlicher Trägerschaft, desweiteren gibt es Projekte und Schulen, die Jenaplan-orientiert arbeiten.
Sämtliche deutsche Jenaplan-Schulen sind staatliche Schulen, für die die Lehrpläne des jeweiligen Landes die Unterrichtsarbeit und deren Inhalte bestimmen. Übergänge in andere Schulen sind, ebenso wie die schulgesetzlich geforderten Schulabschlüsse, ohne Umstände möglich.
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