Unterschiede zu "normalen" staatlichen Schulen

Dennoch gibt es erhebliche Unterschiede zu den "normalen" staatlichen Schulen, die in folgenden Punkten bzw. Leitgedanken zusammengefaßt werden können:

  • 1. Unterricht in Stammgruppen statt in Jahrgangsklassen
  • 2. individuelle Wochenarbeitspläne anstelle eines einheitlichen Stundenplans
  • 3. vorrangig Gruppenarbeit im Sinne der Freiarbeit statt Frontalunterricht
  • 4. Kurse zur Sicherung des Mindestwissens
  • 5. Feiern und Spiele zur Festigung des sozialen Gefüges
  • 6. Arbeits- und Leistungsberichte statt Zensuren
  • 7. Schule als Schulgemeinde - eine Lebens- und Erlebensstätte

Stammgruppen

Die Gliederung nach Stammgruppen (2 oder 3 Jahrgangsstufen lernen gemeinsam) wurde keineswegs willkürlich gewählt, sondern beruht auf Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie: Schüler, die aufgrund ihrer Entwicklung einer Altersstufe angehören, werden nach dem Prinzip des Altersstufenaufbaus zu Lerngruppen zusammengefaßt. Die Vorteile liegen vor allem darin, daß ein Bildungsgefälle unter den Schülern vorhanden ist und somit soziales Lernen im Sinne des Jenaplans überhaupt erst möglich wird. Jedes Kind steht im Laufe seiner Schulzeit mehrmals in wechselnden

(Alters)-Verhältnissen zu seinen Mitschülern, so daß keines als permanenter "Führertyp" oder "Klassenkasper" die Schule durchlaufen wird. Besonders Schulanfänger profitieren von der kindgemäßen Hilfe ihrer älteren Stammgruppenkollegen und können sich so besser und schneller ins Schulleben einfügen.

In allen Stammgruppen ist Projektarbeit die zentrale Erfahrung sozialen und individuellen Lernens. Im Rahmen von vorher gemeinsam geplanten Projekten werden vom Schüler oder einer Schülergruppe Interesse an einem Thema entwickelt, dieses analysiert, in seine Teile gegliedert, inhaltliche Verantwortung verteilt und übernommen, Arbeitszeit eingeteilt, Materialien beschafft, geordnet, gelernt, mit ihnen umzugehen, einander geholfen, Notizen und Ausarbeitungen gemacht, Texte und Produkte entwickelt, Ergebnisse geordnet und mitgeteilt und schließlich den Mitschülern in der Präsentation verständlich dargestellt. So entwickeln sich viele natürliche Lernsituationen. Konkurrierendes Lernen wird eher vermieden und ersetzt durch die Erkenntnis, auf unterschiedliche Leistungsfähigkeiten und Voraussetzungen Rücksicht nehmen zu müssen. Der Themenkreis der Projekte während der Stammgruppenarbeit wird gemeinsam festgelegt und könnte beispielsweise heißen: unsere Nachbarn, Welt der Musik, Germanen, Theater, Nationalparks Deutschlands, Kinderliteratur, Nutzpflanzen etc. Im Laufe eines Schuljahres werden jeweils ca. 12 solcher Projekte bearbeitet.

Ein spezielles Konzept zum Musikunterricht hat Petersen nicht entwickelt, so daß sich der Unterricht, wie in den anderen Fächern auch, an den allgemeinen Lehrplänen der jeweiligen Bundesländer orientiert. Dennoch kann durch die Stammgruppenarbeit und die damit verbundene andere Tageseinteilung häufiger und intensiver auf musikalische Aspekte zurückgegriffen und der Umgang mit Musik als ein zum Alltag gehörender Teil der Unterrichtsgestaltung etabliert werden. Vor allem im täglich stattfindenen Morgenkreis hat das gemeinsamen Singen, Tanzen und Musizieren zentrale Bedeutung. Auch zur Ausgestaltung der wöchentlichen Feiern zur Präsentation der Wochenarbeit der einzelnen Stammgruppen gehören musikalische Beiträge, Instrumentalstücke, Tänze, Musicals. Hier werden übrigens auch regelmäßig sowohl Eltern als auch Lehrer musikalisch aktiv.

Im Rahmen der Stammgruppenarbeit entstehen regelmäßig größere musikbezogene Projekte, so beispielsweise "Musik und Tänze im Mittelalter", "Musik unserer Nachbarn", oder es werden Musikstücke zu einem Theaterstück einstudiert. Auch Schulbands sind keine Seltenheit.

Zusätzlich zur Stammgruppenarbeit werden, beginnend mit dem 3. Jahrgang, im einmal wöchentlich stattfindenen Kursunterricht Musik die theoretischen Grundlagen der Musiktheorie, umfassendes Liedrepertoire, Übungen für die Gehörbildung etc. vermittelt - entsprechend dem Lehrplan der staatlichen Schulen.