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Wenn sich Musikpädagogen mit der Musik Lateinamerikas beschäftigen, so kommt darin ein Neuansatz zum Ausdruck (vgl. Schormann 1996, Gruhn 1998, Schormann & Gerlach 1999). Was das Neue daran ist, soll im Folgenden erläutert werden. Als vor gut hundert Jahren in Bremen das Übersee-Museum eröffnet wurde, präsentierte der Gründer und damalige Leiter mit dem ungewollt vielsagenden Namen Schauinsland eine weltumspannende Schau aus Natur, Kultur, nicht zuletzt aus Wirtschaft und Handel. Gezeigt wurden auch die Kulturen aus fremden Ländern rund um den Globus, aus Afrika, Asien, Amerika, aus dem Regenwald, von den Archipelen der Südsee usw. Damals bezeichnete man die dortigen indigenen Kulturen als primitive Kulturen, die nach dem Verständnis der Zeit sozusagen Vorläufer der Kultur des westlichen Abendlandes waren. Die Eingeborenen wurde als exotische Wesen betrachtet. Da sind Ähnlichkeiten zwischen Schlangen, Walen, den Vögeln der Tropen und - ja den "Wilden" relativ naheliegend. Im Exotismus kommt eine Mischung aus Staunen, Neugier, Interesse am Unbekannten, zugleich aber Fremdheit, Bewußtsein der eigenen Überlegenheit, eines höheren Entwicklungsstandes zum Ausdruck. Im kulturellen Darwinismus des 19. und der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts wurden die sogenannten Primitiven als Vorstufe der westlichen Zivilisation aufgefasst, mit dem Gefühl eines deutlichen Gefälles zwischen dem Eigenen und dem Fremden. Ich möchte kurz auf das Wörtchen indigen zurückkommen. Im Englischen bedeutet indigenous "native born; originating or produced naturally in a country (opposite to exotic)"; als Verb indigenize bedeutet es, dass man sich einer eingeborenen Kultur oder entsprechenden Einflüssen anpasst oder unterwirft; und weiter, dass der Anteil der eingeborenen Bevölkerung in der Verwaltung eines Landes oder im Punkt der Beschäftigung anwächst. Dass wir also indigene Kulturen als exotisch bestaunen (und uns durch Abwertung auf Abstand halten), beruht auf einem inneren Widerspruch, weil exotisch dem Indigenen entgegengesetzt ist. Wenn wir uns heute mit indigenen Kulturen beschäftigen, so geschieht dies gewiß nicht aus Interesse am Exotischen, bei dem man ja stets auch um Distanz bemüht ist. Unsere Intention geht dahin, dass wir uns auf die fremden Kulturen wirklich einlassen und sie verstehen wollen. |