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Klausurkonzeption (für einen Leistungskurs der Jahrgangsstufe 12, Dauer: drei Schulstunden) MATERIAL 3 Klausurthema: Aspekte thematischer Arbeit in der Durchführung des Kopfsatzes von Johannes Brahms' erstem Klavierkonzert d-Moll op. 15 Klausurmaterial: Kassette mit einer Einspielung der zugrunde liegenden Takte; Notentext des gesamten ersten Satzes; erlaubte Hilfsmittel: Kursunterlagen und Notizen zum vorliegenden Werk Bearbeiten Sie die folgenden Aufgabenstellungen:
Musterlösung der Klausur
MATERIAL 4 Thema: Aspekte thematischer Arbeit in der Durchführung des Kopfsatzes von Johannes Brahms' erstem Klavierkonzert d-Moll op. 15 Musterlösung/ Erwartungshorizont
Der Formteil beginnt ausdrücklich im "Tempo I", das, da keine anderen Vortragsbezeichnungen gesetzt waren, nur eventuelle rubati ausgleicht bzw. das Gleichmaß betont. Ein "neues" Quartaufschwungmotiv, das sich allerdings in ähnlicher Gestalt in fast allen Themen und Motiven wiederfindet und im übrigen ein Allerweltssignal ist, leitet die Durchführung ein. Zunächst in ternärer Teilung verlaufende, vollgriffige modulierende Achtelläufe im Klavier werden unterbrochen durch das Orchester, das in T. 231 (d-Moll/ B-Dur, die Ambivalenz des Themas selbst umspielend) und T. 238 (A-Dur) den Themenkopf von Thema 1 einwirft. [Spätestens, wenn Brahms bereits im 6. Takt der Durchführung die Tonika erreicht, wird klar, dass eine Untersuchung nach harmonischen Kriterien den Kern verfehlen muss.] Eine harmonische und motivische Verdichtung tritt ein, wenn die inzwischen binär geteilten und ausfigurierten Läufe des Klaviers in T. 244 (H-a) und 246 (d-G7) durch Themenkopfeinwürfe gestört werden, denen im Kontrapunkt jeweils c', das Schlussmotiv des ersten Themas in der Umkehrung unterlegt wird. Dem Orchesterdrängen ergibt sich das Soloinstrument schließlich in T. 251, indem es mit dem b-Motiv des ersten Themas zwischendominantisch antwortet. Ein instabiles G-Dur leitet über in den zweiten Formteil.
Durch den Begleitsatz, dessen ruhige Dreiklangsbrechungen nur entfernt mit dem Themenkopf 1 verwandt sind, scheinen kanonisch Stimmen mit Motiv A durch: T. 259 in Celli und Bässen (a-Moll), T. 263 (E-Dur) im Klavier, modulierend durch den weiteren Motivverlauf.
In einem charakterlich der ursprünglichen Erscheinungsform und der vorangehenden Darstellung entgegengesetzten forte entwickelt das Klavier eine neue motivische Varietät [zuerst T. 281f], beweglich und tänzerisch. Sie kann sowohl aus Motiv A abgeleitet sein als auch aus dem Thema II entnommen verstanden werden. Über den virtuosen Fortspinnungen des Klaviers , die piano leggiero in den Hintergrund treten, übernehmen einzelne Orchesterstimmen dieses Motiv ab T. 288. Ab T. 297 tritt eine motivische Verdichtung ein, die das Zentrum d stabilisiert und dynamisch wie in den aufstrebenden Klavierläufen gesteigert in den letzten Formteil überleitet:
Hier wird die Wirkung der Forte-Kadenz, die in der Orchesterexposition zum zweiten Thema überleitete, exponiert zu einer Dominant-Fläche, die eindeutig auf das Zentrum d zielt. Rhythmisch, dynamisch und harmonisch geht Brahms hier spannungsreich vor. Mit T. 310 erreicht er tatsächlich und mustergültig die Tonika d-Moll. (Allerdings verlässt er sie sofort wieder und lässt das erste Thema in E-Dur einsetzten. Dabei macht er sich zu Nutze, dass es selbst modulierend ist.) Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass in der Durchführung ausschließlich Material der Orchesterexposition Verwendung findet. Das Klavierthema (Th 3) wird überhaupt nicht zitiert, auch das Thema 2, dessen Antizipation sich in der Orchesterüberleitung der Exposition findet, ist nur in entfernter Verwandtschaftsbeziehung nachzuweisen. Das erste Thema, das in sich modulierend ist und ohne klaren tonartlichen Bezug bleibt, ist für eine Durchführung hingegen geradezu prädestiniert und wird mit dem ähnlich vielschichtig konzipierten Motiv A hier in epischer Breite ausgeführt. Das Klavier tritt hier in die Position eines gleichberechtigten Partners zum Orchester, ein Standpunkt, der durch die fehlende Cadenza und die erdenschwere Virtuosität gestützt wird.
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