§
120
Das erste Allegro des Concerts enthält drey Hauptperioden,
welche der Concertspieler vorträgt, und die von vier Nebenperioden
eingeschlossen sind, die von dem Orchester als Ritornelle
vorgetragen werden. Das erste Ritornell pflegt man in den modernen
Concerten sehr lang auszuführen. Es besteht aus den vorzüglichen
melodischen Theilen, die zur Anlage des Allegro gehören,
welche in eine andere Verbindung gebracht, und durch andere Hilfsmittel
erweitert werden, als es im Solo der Concertstimme geschieht.
[...] Das erste Ritornell wird [...] dergestalt geformt, daß zwar
die Modulation förmlich in die Tonart der Quinte geleitet,
und nach dem Quintabsatze derselben ein melodischer Haupttheil
in tiefer Tonart vorgetragen wird. Unmittelbar hernach aber wird,
ohne in dieser Tonart förmlich zu schließen, die Modulation wieder
in den Hauptton zurückgeführt und das Ritornell derselben
geschlossen. [...]
§
123
Bey den drey Hauptperioden der Concertstimme bleibt uns hier nichts
zu bemerken übrig; sie haben die nemliche äußerliche Einrichtung,
und den nemlichen Gang der Modulation wie die drey Hauptperioden
in dem ersten Allegro der Sinfonie. Die Art der Melodie hingegen
ist der Melodie der Sonate sehr ähnlich. [...] Dabei wird die
Melodie der Hauptstimme [...] zuweilen von dem Orchester durch
kurze Sätze unterbrochen [...]. [Die Begleitstimmen] erwarten
nicht immer den Einschnitt oder Ablaß der Hauptstimme, sondern
lassen sich mitten im Vortrage derselben wechselweise durch kurze
Nachahmungen hören, die jedoch dergestalt angebracht und eingerichtet
werden müssen, daß die den Vortrag der Hauptstimme nicht verdunkeln.
§
124
Mit dem Schlußtone des ersten Hauptperioden, der [...] in der
Tonart der Quinte schließt, tritt das zweyte Ritornell mit dem
Hauptsatze wieder ein, trägt einige melodische Theile wieder vor,
die schon im ersten Ritornell enthalten waren, und schließt ebenfalls
in der Tonart der Quinte mit einer förmlichen Cadenz. Mit dem
Schlußtone dieser Cadenz hebt das zweyte Solo wieder in dieser
Tonart an; und zwar geschieht der Anfang dieses zweyten Solo gemeiniglich
vermittelt eines solchen melodischen Theils, der nicht in dem
ersten Hauptperioden enthalten war [...]. Dieser Periode [...]
wird also mit der weichen Tonart der Sexte, zuweilen auch
in der weichen Tonart der Sekunde oder Terz geschlossen.
Mit dem Schlußtone tritt wieder ein kurzes Ritornell ein, welcher
[...] die Modulation wieder in den Hauptton zurückführt, in welcher
dieses Ritornell mit dem Quintabsatze schließt, damit das dritte
Solo in der Hauptstimme wieder mit dem Haupttone anfangen kann.
§
125
Das dritte Solo der Concertstimme gleicht wieder in Ansehung der
Form dem dritten Hauptperioden des ersten Allegro der Sinfonie.
Mit dem Schlußtone dieses Perioden machen die Ripienstimmen
vermittelt einiger Tacte gewöhnlich eine Einleitung zu einer
Fermate auf dem Sexquartenaccorte des Grundtones, welche
der Concertspieler länger aushält, als die übrigen Instrumente,
und mit derselben entweder eine freye Fantasie oder aber ein
Capricio verbindet, welches man mißbrauchsweise eine Cadenz
zu nennen pflegt, weil es bey dem Schlusse des Tonstücks gemacht
wird. Mit dem Schlußtone dieser sogenannten Cadenz, welche sich
jederzeit mit einem förmlichen Tonschlusse endigt, fängt das letzte
Ritornell an, welches aus den lezten melodischen Theilen des ersten
Ritornells zu bestehen pflegt, und mit welchem das ganze erste
Allegro geschlossen wird.