Begriffe

Bisher sprach man in der Musikethnologie, wenn man sich mit Musik anderer Kulturen beschäftigte, gewöhnlich von „außereuropäischer Musik“, genauso wie man in der Geographie von Europa und Außereuropa sprach. Seit einigen Jahren wird - besonders von einigen Musikpädagogen - Kritik an an diesem Begriff „außereuropäische Musik“ geübt. Man spricht deshalb heute lieber von „Musik anderer Kulturen“ oder „Musik anderer Völker“, womit selbstverständlich die Musik der europäischen Völker ebenso gemeint sein kann wie die Musik außereuropäischer Völker.

Die Amerikaner verwenden häufig den Begriff „Musics of the World“.

Wenn man ihn ins Deutsche überträgt („Musiken der Welt“ oder „Musiksprachen der Welt“), kann es leicht zu Mißverständnissen kommen, die sich aus dem Begriff „Weltmusik“ ergeben können. Da Musik nicht die „Sprache der Welt“ ist, wie oft leichtfertig behauptet wird, sondern da es viele musikalische Sprachen auf dieser Welt gibt und deshalb auch keine „Weltmusik“, sollten wir lieber von „Musik anderer Kulturen“ oder „Musik anderer Völker“ sprechen.

Ich stimme Helmut Schaffrath zu, wenn er schreibt:

“Selbst unter dem Eindruck der virtuosen Spieltechniken und kunstvollen Kompositionsformen fragt man sich, wieviel Achtung wir Europäer solchen Kulturen versagen und ob es nicht doch einiger eurozentrischer Ignoranz bedarf, um eine Komposition wie Exotica (Mauricio Kagel) zu schreiben oder von ‘Weltmusik’ (Karlheinz Stockhausen) zu reden oder im Bereich polyästhetischer Erziehung eine zweifelhafte Internationalität herzustellen“ (Schaffrath 1985, S. 7).

In der musikpädagogischen Literatur wird ferner häufig der Begriff „Folklore“ verwendet. Dahinter steht offenbar die falsche Vorstellung, daß es in anderen Kulturen nur ‘Volksmusik’ und keine kunstvolle Musik gebe. In allen außereuropäischen Hochkulturen gibt es jedoch sehr komplexe ‘autonome’ Musik, die sich von der einheimischen ‘Folklore’ genauso deutlich unterscheidet wie etwa Beethovens Musik vom rheinischen Karnevalsschlager. Das Vorurteil, die westliche Musik sei besser oder höher entwickelt, ist offenbar nicht auszurotten.