Gründe für die Einbeziehung von Musik anderer Kulturen in den Musikunterricht

Einer der wichtigsten Gründe für die Einbeziehung von Musik anderer Kulturen in den Musikunterricht ist die Tatsache, daß man durch die Andersartigkeit das Wesen unserer eigenen Musik besonders deutlich erkennt. Was läge näher, als heute, da wir die technischen Möglichkeiten dazu haben, die Musik unseres Kulturkreises mit der Musik anderer Kulturkreise zu vergleichen, um dadurch die Eigentümlichkeiten der verschiedenen Musikstile, - instrumente und Spielweisen umso deutlicher hervortreten zu lassen? Ebenso wie es z. B. für die Fächer Kunst, Geschichte und Erdkunde selbstverständlich ist, andere Länder und Kontinente in den Unterricht einzubeziehen, müßte dies auch für das Fach Musik selbstverständlich sein.

Ein derartig konzipierter Musikunterricht kann dazu beitragen, eine offenere und vorurteilslosere Haltung anderen Kulturen und Völkern gegenüber zu entwickeln, darüber hinaus aber auch zu Toleranz gegenüber musikalischen Erscheinungsformen der eigenen Umwelt erziehen. Außerdem ist die Musik anderer Kontinente von großer Bedeutung für die europäische Musik. Man denke nur an die Einflüsse etwa bei Debussy, Messiaen, Bartók, Orff, Britten, Boulez, Stockhausen, Cage und vielen anderen Komponisten sowie in der populären Musik, z.B. bei den Beatles, in der neueren Rock-/Popmusik sowie in der Werbemusik. Das europäische Instrumentarium ist seit eh und je durch Instrumente anderer Kontinente bereichert worden. Afrikanische, afro-amerikanische und indische Instrumente finden nicht nur im Jazz Verwendung, sondern auch bei Varèse, Cage , Stockhausen und Kagel.

Entsprechend der Auseinandersetzung Debussys mit der indonesischen Musik finden sich nach 1900 auch chinesische und indische Anregungen in den Werken anderer bedeutender Komponisten: etwa bei Puccini, Mahler, Busoni, Ravel und Strawinsky. In Nordamerika lebende Komponisten ließen sich u.a. durch Indianermusik und mexikanische Volksmusik anregen.

Einen besonderen Einfluß übte auch im 20. Jahrhundert die indonesische Gamelanmusik aus. Was den westlichen Komponisten nach Debussy interessierte, war entweder eine freie Übertragung der Gamelanmusik auf das Symphonieorchester (etwa bei Britten) oder die Übernahme ihres Instrumentalklanges (z.B. bei Orff, Cage, Messiaen und Kagel).

Schlaginstrumente wie der Gong, das Tamtam, die Celesta oder das Vibraphon bilden einen Klangbereich des symphonischen Orchesters, der als Vertreter des Gamelan verwendet wird - beispielsweise bei Messiaen.

Zum Verständnis all jener Mischformen, die heute sowohl im Bereich der Kunstmusik wie auch der populären Musik und der funktionellen Musik anzutreffen sind, gehört die Kenntnis der Musik anderer Völker.