Richtlinien und Materialien

Welchen Stellenwert hat die Musik anderer Völker in Richtlinien und Unterrichtsmaterialien?

Viele der in den letzten Jahren neu erschienenen Richtlinien enthalten Hinweise auf die Musik anderer Kulturen - besonders Richtlinien für die Sekundarstufe II. Die spärlichsten Hinweise findet man in den Richtlinien für die Primarstufe. Dies ist bedauerlich und fachlich nicht zu begründen, weil man weiß, daß Kinder in dieser Alterstufe besonders aufgeschlossen auch gegenüber ungewohnten Klängen sind.

Musik anderer Kulturen bedeutet für etliche Richtlinien-Autoren offenbar nur Liedgut anderer Völker. Kompliziertere Instrumentalmusik wird leider selten oder gar nicht erwähnt.

Gleiches gilt für viele Unterrichtsmaterialien. Viele Musiklehrbücher enthalten keinerlei Hinweise, etwa zwanzig Prozent nur sehr kurze Anmerkungen oder lediglich ein paar Lieder anderer Völker. Nur in knapp zwanzig Prozent der neueren Musiklehrbücher ist Musik anderer (nicht-europäischer) Völker einigermaßen ausführlich angesprochen. Hierbei handelt es sich fast ausschließlich um Lehrbücher für die Sekundarstufen I und II.

In etlichen Unterrichtsmaterialien läßt sich ein Trend zu den einfachen musikalischen Formen und Musikinstrumenten anderer Kulturen feststellen. Komplexere und besonders kunstvolle Gattungen und Stücke bleiben ausgeklammert. Dadurch wird bei Schülern (und wohl auch bei vielen Lehrerinnen und Lehrern) immer wieder der Eindruck erweckt, als gebe es in anderen Kulturen nur einfache oder gar primitive Musik.