Vorgeschichte

16 Jahre mussten Fans (und Kritiker!) warten, bevor John Lucas seine "Star Wars"-Trilogie der Jahre 1977 - 1983 fortgesetzt hat und die lang erwartete Fortsetzung in die Kinos brachte. Wie schon in den ersten drei Teilen (weitere werden noch folgen) ist auch diesmal die Musik wieder von John Williams, dem mit über 80 Filmen und fünf Oscars mit Abstand erfolgreichsten Filmkomponisten der letzten 20 Jahre. War schon der erste Teil von 1977 ein "Kinderfilm (...), wie ihn Walt Disney gemacht hätte, wenn er noch leben würde" (Giesen 1983, 156) , so wird dieser Aspekt in dem neuen Film noch gesteigert - was seine Popularität bei seiner weltweiten erwachsenen Fangemeinde nur z.T. beeinträchtigt.

"Episode I. Die dunkle Bedrohung" erzählt eine Vorgeschichte (oder tut zumindest so als ob). Für diejenigen, die den überraschenden Erfolg von "STAR WARS. Eine neue Hoffnung" 1977 genauso wenig nachvollziehen konnten wie den seiner beiden Nachfolger 1980 und 1983, sei hier noch einmal kurz an die Erfolgsgeschichte erinnert.

Der überraschende Erfolg des mit nur kleinem Budget produzierten Filmes "American Graffitti" 1973 gab seinem bis dahin eher unbekannten Regisseur George Lucas die Möglichkeit, vier Jahre später STAR WARS Teil IV zu drehen, ohne übertriebenen Anspruch eher geplant als "Saturday morning space movie." (Williams 1997) Zwei Filmgesellschaften - so berichtet Rolf Giesen in seinem Kapitel über "Märchen und Sagen der Neuzeit" (Giesen 1983) - hatten das Skript noch abgelehnt, bevor es von einer dritten, der Twentieth Century-Fox, die aufgrund ihrer finanziell verzweifelten Situation auch auf Außenseitererfolge setzen musste, angenommen wurde. Die Geschichte des jungen Luke Skywalker, der eher unfreiwillig in die Auseinandersetzung zwischen den "Guten", den Rebellen gegen den Diktator des Galaktischen Imperiums, und der "Dunklen Seite" hineingezogen wird, mit Hilfe eines alten "Jedi-Ritters" und der ominösen, alles durchdringenden "Macht" jedoch einen entscheidenden Sieg davontragen kann und in einer pompösen Zeremonie am Schluss des Filmes ausgezeichnet wird, schien den Nerv der Zeit getroffen zu haben und wurde zu einem gigantischen Erfolg: "Die ‚Kraft', die ‚Macht' - das ist Magie, das ist Religion, das ist Gott, das sind Dinge, an die die Menschen einer schnellebigen, tyrannischen Zeit nicht mehr glauben wollen, weil ihnen die Ratio widerspricht. Das ist aber auch, wofür der American Dream steht." (Giesen 1983, 156) Zweifellos ist es George Lucas gelungen, die simple, quasi zeitlose Geschichte des Jungen, der in die Welt hinauszieht und nach erfolgreichen Abenteuern als Mann zurückkehrt, in eine Form zu übertragen, die sowohl dem technischen Spieltrieb vieler Rezipienten entsprach als auch einem nicht zu unterschätzenden Wunsch nach Mythologie. Im Vorspann aller Folgen "vor langer Zeit in einer weit entfernten Galaxis" platziert, war STAR WARS nie Sciencefiction im Sinne einer Zukunftsvision wissenschaftlicher und technischer Weiterentwicklung: "Ich wollte (...) keinen Film über die Zukunft drehen, sondern einen, der in der Zukunft spielt. Einen Film, der Technik als gegeben hinnimmt, sie aber nicht zum zentralen Thema macht. (...) Man könnte so STAR WARS zu den Märchenfilmen rechnen." (Lucas, nach Giesen 1983, 158)

 

 

In der Tat mag auch gerade jene für Sciencefiction-Filme der einfacheren Art übliche Selbstverständlichkeit, mit der hier technische Elemente lediglich dazu verwendet werden, einen passenden "Action"-Rahmen für die Handlung zu bieten, dass z.B. moderne Laser-Schwerter als Weiterentwicklung der für technisch interessierte Jugendliche nicht mehr zeitgemäßen Samurai-Schwerter gehandhabt werden, einen Teil des Erfolges der Serie erklären. Dies allein reicht jedoch nicht aus. Mehr noch scheint es, als hätte George Lucas mit der von ihm verfassten Geschichte ein fast zeitloses Grundmodell von Abenteuererzählung konkretisiert. Der böse Imperator will die letzten Bastionen der Freiheit mit Hilfe seines ominösen Gehilfen "Darth Vader" und seines gigantischen Todessterns auslöschen. Die technischen Daten dieses "Todessterns" können jedoch von der Rebellenprinzessin zwei skurrilen Robotern übergeben werden, die sie an die Rebellen weitergeben sollen. Mit Hilfe eines Bauernjungen, der eigentlichen Hauptperson Luke Skywalker, und eines alten Mannes, Mitglied der Kaste der ominösen Jedi-Ritter, kann der Angriff auf den Todesstern schließlich aufgenommen werden, den der junge Skywalker dann erfolgreich abschließt.