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John Williams
Eine exotische Welt, eine klassische Abenteuerdramaturgie - es fehlte noch die Musik, über deren Bedeutung sich George Lucas jedoch im Klaren war: "Ein Großteil der Geschichte und der Gefühle wird über die Musik erzählt. Musik ist eines der wichtigsten Elemente im Film." (Bouzerau/Duncan 1999, 147)(31) Die symphonische Filmmusik aus Hollywoods "Goldener Zeit" der 30er und 40er Jahre hatte - entwickelt von europäisch geschulten, sich auf die Traditionen des 19. Jahrhunderts beziehenden Komponisten - ein differenziertes System zur Verfügung gestellt, Stimmungen auszudrücken, Bezüge herzustellen(32). Die oftmals popularmusikorientierte Filmmusik der 60er und 70er Jahre war filmfunktionell dagegen sicher ein Rückschritt (wenn sie auch für die Studios etwa durch die Koppelgeschäfte Film/Schallplatte finanziell lukrativ waren). Der Komponist, den George Lucas schließlich für den Star Wars-Film (und auch für alle späteren Folgen, einschließlich Episode I) verpflichtete, bekannte sich jedoch bewusst zu den Möglichkeiten der klassischen Hollywood-Symphonik, weiterentwickelt durch den Einbezug zeitgenössischer musikalischer Idiome, etwa eine an Strawinsky erinnernde Ostinatotechnik. John Williams erhielt 36 Oskar-Nominierungen, fünf Oskars (einen für STAR WARS, Episode IV, die anderen beiden Folgen erhielten Nominierungen, zuletzt für Schindlers Liste), Grammy Awards für die Soundtrack-Alben zu STAR WARS und DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK, schrieb Filmmusiken für beinahe 80 Filme (außer den vier STAR WARS - Filmen etwa für: Superman, Der Soldat James Ryan, Geboren am 4. Juli, Jurassic Parc, Kevin allein zu Haus, Nixon, Indiana Jones). Darüber hinaus schrieb er umfangreiche Konzertmusik (u.a. zwei Symphonien) und Auftragskompositionen wie die Musik zu diversen Eröffnungen olympischer Spiele (1984, 1988 und 1996) - insgesamt eine beeindruckende Bilanz. Der immense Erfolg der ersten STAR WARS-Trilogie machte die symphonische Filmmusik zu dem filmmusikalischen Idiom der Gegenwart. Zweifellos war Williams ein Filmkomponist mit eigenem Anspruch - so betont er gerade die Möglichkeit der Musik, die konkrete Handlung des Films zu überhöhen: "Wenn eine Figur ehrhaft und gut ist, dann sollte die Musik über eben diese Ehrbarkeit des speziellen Charakters hinausgehen und eigenständig werden. Sie beschreibt dann Güte an sich und nicht nur den besonderen Menschen." (Williams 1999)(33) Für STAR WARS schuf Williams eine z.T. themengebundene Musik, die mit der STAR WARS-Fanfare - dem "Main Theme" (den Guten zugeordnet) - und dem im folgenden Film hinzukommenden "Imperial March" (der Musik des Imperiums der "Bösen Macht") zwei der bekanntesten Filmthemen der letzten zwei Jahrzehnte beinhaltet. Gleichzeitig zeigt John Williams sich gerade in seinen Interviews als Komponist, der sich der speziellen "Spielregeln" der Filmkomposition sehr bewusst ist: "Wenn wir Musik für Filme schreiben, dann haben wir nicht die volle Aufmerksamkeit des Publikums. Die Leute hören viele Soundeffekte oder Dialoge und nehmen die Musik vielleicht nur ein- oder zweimal bewusst wahr. Deshalb muss die Musik einfach und eindeutig sein. Man muss sie durch die Dialoge durchhören können. So gewinnt man die Aufmerksamkeit Note für Note, Schritt für Schritt. Eine Art, wie man das erreichen kann, wenn eine Musik in ihrer Endform etwas komplex ist, wenn sie also z.B. zwölf Noten hat, ist, dass das Publikum vielleicht die ersten drei davon im zweiten Abschnitt hört, dann sechs im fünften und erst am Ende des Films die volle Komposition. Schließlich gibt es noch den faszinierenden Effekt, dass das Publikum etwas unbewusst präsentiert bekommt, ein unausweichliches Schicksal, welches das Publikum vielleicht schon selbst vorhergesagt hat. Das ist ein Teil des dramatischen Mechanismus, wie man das Publikum fesseln kann. Wenn wir es schaffen, eine Musik zu kreieren, die man auch im Wirrwarr von Dialog und Effekten leicht in Erinnerung behält, dann ist es um so besser für uns." FRAGE: "Das hört sich nach einem Versuch an, den Zuschauer in eine Richtung zu führen, ohne dass dieser das Gefühl hat, geführt zu werden?" JOHN WILLIAMS: "Das ist es, was meine Arbeit ausmacht." (Williams 1999)
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