In einem zweiten Angang wird der Vergleich unter Auswertung zusätzlicher Informationen über den Verismo ergänzt.

Verismo

Angeregt vom französischen Naturalismus und in Reaktion auf Klassizismus und Romantik bildete sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Literatur heraus, die sich verstärkt den sozialen Problemen der Gegenwart zuzuwenden suchte. Die Anhänger des so genannten Verismo (vero: wahr, echt) plädierten für die Verwendung der Alltagssprache, einen einfachen Stil und eine Thematik, die sich den sichtbaren Gegebenheiten verschreiben sollte. Somit gab der Verismus der mundartlichen Dichtung einen neuen Impuls. Auch in der italienischen Oper setzte sich als Gegenbewegung zu den Wagner-Opern seit 1890 der Verismo durch. Als erste veristische Oper entstand Cavalleria rusticana (1890) von Pietro Mascagni (1863-1945). Mit diesem Werk wollte er der romantischen Oper eine menschlich leidenschaftliche, zeitnahe Bühnendramatik entgegenstellen.

Mossolow:

Mascagni: Cavalleria rusticana, Einleitung, 1890

Fabrik, Alltag, realistisch

Entrückung, Ostermorgen, Liebeslied

Die 'hymnische' Melodie des Mittelteils verherrlicht die Maschine. Die Industrialisierung (moderne Welt) wird positiv gesehen.

Innenwelt, subjektiver Ausdruck, Psychologisierung, 'poetische' Gegenwelt zur 'prosaischen' Alltagswelt. Obwohl diese Oper sich als veristisch (vero = wahr, echt) versteht und sich gegen Wagners Oper wendet, bleibt die Musik also 'romantisch'. Der 'verismo' zeigt sich lediglich in dem dargestellten Milieu (sizilianisches Dorf).

Was war geschehen? Was waren die Hintergründe dieses revolutionären Paradigmenwechsels? Diese Frage wird anhand von Dokumenten der Futurismusbewegung ab 1909 behandelt.